Inhaltsbereich: Energiestadt Thusis
Die Gemeinde Thusis hat das Energiestadt-Label im Jahre 2004 erstmals erlangt. Im Jahre 2008 konnte das Reaudit erfolgreich durchgeführt.
Im Beisein von Ernst Bachmann, Vorsteher des kantonalen Amtes für Energie und Verkehr, überreichte Sven Frauenfelder von der nationalen Labelkommission Energiestadt Gemeindeammann Oscar Prevost und Gemeinderat Franz Bütler das neue Energiestadt-Label.
Sven Frauenfelder betonte, dass Thusis das Label aus Überzeugung wieder bekommen hat. Waren es 2004 noch 55 Prozentpunkte, die den Ausschlag gaben, sind es jetzt 60. Besonders erwähnenswert hielt Frauenfelder den beispielhaften Nahwärmeverbund, mit dem Thusis 60 Prozent der gemeindeeigenen Liegenschaften mit erneuerbarer Energie versorgt. „Damit sind sie auf Augenhöhe mit der Energiestadt Bern“, lobte er.
Und Ernst Bachmann erwähnte, dass das Vorgehen von Thusis „haargenau dem Leitsatz der Regierung entspricht, wie wir dem Klimawandel begegnen sollten“.
Energiepolitische Zielsetzungen der Gemeinde Thusis 2012 - 2016
Mit dem angestrebten Re-Audit 2012 für das Label Energiestadt bestätigt die Gemeinde Thusis ihr energiepolitisches Engagement für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Der Gemeinderat beschliesst daher für die nächsten vier Jahre folgende Ziele und Grundsätze und beauftragt die Energiestadt-Kommission mit der entsprechenden Umsetzung.
Grundsätze
- Wir schonen unsere natürlichen Lebensgrundlagen und fördern mit einer umweltfreundlichen Politik die Wohn- und Lebensqualität. Dabei schützen wir vor allem unsere Luft, Böden und Gewässer.
- Wir wollen den hohen Stand der Energie- und Wasserversorgung erhalten. Verschiedene Aktivitäten helfen, das Umweltbewusstsein zu fördern und Abfälle möglichst zu vermeiden oder zu vermindern.
- Wir sind bestrebt, die Verkehrsbelastung und die Immissionen im Dorf abzubauen und damit die Wohn- und Lebensqualität in diesem Gebiet zu erhalten. Gleichzeitig wollen wir den öffentlichen Verkehr bedürfnisgerecht ausbauen und den privaten motorisierten Individualverkehr beruhigen.
- Die Informations- und Motivationsarbeit soll intensiviert werden, um auch die Bevölkerung zur effizienten Nutzung der Energie zu sensibilisieren.
- 2000 Watt: Thusis unterstützt die auch vom Bund und vom BFE angestrebte Vision der 2000 Watt Gesellschaft. Von heute 6000 Watt pro Person (CH) soll der durchschnittliche Leistungsverbrauch pro Einwohner bis Ende des Jahrhunderts auf 2000 Watt reduziert werden.
- Bei den Re-Audits zum Label Energiestadt alle vier Jahre soll die Prozentzahl um jeweils mindestens 3%-Punkte verbessert werden.
- Das auf dem Energiestadt-Massnahmenkatalog basierende energiepolitische Aktivitätenprogramm wird jährlich überprüft und überarbeitet.
Leitsätze in den einzelnen energierelevanten Bereichen
Entwicklung, Raumordnung
- Die Gemeinde beachtet beim Erlass von Reglementen und Vorschriften die rationelle Energieanwendung, den Einsatz erneuerbarer Energien und die Energieeffizienz.
- Die Gemeinde kontrolliert die Baugesuche und die Bauausführungen im Hinblick auf einen sparsamen und umweltschonenden Energieverbrauch.
- Die Gemeinde erstellt eine Bilanz für die Bereiche Energie und Klima über das gesamte Gemeindegebiet.
Kommunale Gebäude, Anlagen
- Die Gemeinde nutzt das Kontrollinstrument der Energiebuchhaltung (EnerCoach) für die Gemeindeliegenschaften. Die daraus resultierenden Ergebnisse fliessen in die Sanierungsplanung ein.
- Die Gemeinde stellt einen energieoptimierten Betrieb und Unterhalt der gemeindeeigenen Bauten sicher.
- Soweit dies die Submissionsverordnung erlaubt, soll die lokale Wertschöpfung durch lokale und regionale Beschaffung gestärkt werden.
- Der Anteil an erneuerbaren Energien soll auf dem aktuell sehr hohen Stand erhalten bleiben (Wärme über 50%, Strom 100%). Der Ökostromanteil soll auf mindestens 20% gesteigert werden).
- Bei Neubauten und Sanierungen gilt der 'Gebäudestandard 2011' von Energiestadt als behördenverbindliches Instrument. Er ist sofern wirtschaftlich tragbar und technisch realistisch umzusetzen. Abweichungen sind zu begründen.
Versorgung, Entsorgung
- Die Gemeinde hat das Ziel den Anteil nicht erneuerbarer Energien auf dem gesamten Gemeindegebiet zu reduzieren.
- Das Ökostrom-Angebot soll vermehrt publik gemacht werden. Bis im Jahr 2016 soll der Absatz pro Einwohner auf 100 kWh pro Jahr gesteigert werden.
- Bis zum Jahr 2016 soll die gesamthafte Fläche an installierten Solarstromanlagen auf 1 m2 pro Person vergrössert werden.
- Das gesamte Grüngut soll energetisch optimal genutzt werden.
Mobilität
- Aufwertung des Zentrums durch Verkehrsentlastung, Verkehrsberuhigung und Gestal-tungsmassnahmen.
- Attraktivierung des Langsam- und des öffentlichen Verkehrs.
- Die Gemeinde sorgt für einen energieoptimierten Betrieb der Kommunalfahrzeuge.
Interne Organisation
- Die Gemeinde hat eine Energiestadtkommission. Diese hat eine beratende Funktion und verpflichtet sich der Erfolgskontrolle der energiepolitischen Ziele und Massnahmen.
- Das auf dem Energiestadt-Massnahmenkatalog basierende energiepolitische Aktivitä-tenprogramm wird regelmässig überprüft und überarbeitet.
Kommunikation, Kooperation
- Die Energiestadt-Kommission erarbeitet ein geeignetes Kommunikationskonzept für Energiethemen und setzt dieses konsequent um.
- Die Energiestadt-Kommission informiert die Bevölkerung periodisch über die energie-politischen Themen.
- Das Label Energiestadt wird gegenüber der Bevölkerung gut kommuniziert. Es ist auf der Homepage, an 10 öffentlichen Standorten und mindestens viermal jährlich in den Medien platziert.
- Mit interessierten Gruppen und Institutionen im Energiebereich wird der Kontakt gepflegt.
Projektorganisation
- Die jährliche Überprüfung der Umsetzungsqualität der energiepolitischen Massnahmen und der Ermittlung von neuen Aktivitäten erfolgt in der politisch und fachlich breit abgestützten Energiestadt-Kommission.
- Für alle Belange des Projekts Energiestadt ist grundsätzlich der Präsident der Energiestadt-Kommission zuständig.

